Hintergrund

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, beginnt diskriminierende und rassistische Sprache nicht erst bei wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen. Unzählige Betroffene werden in ihrem Alltag immer und immer wieder von ihren Mitmenschen mit den gleichen Sätzen konfrontiert. Diesen Sätzen gemeinsam ist, dass sie alle pauschalisierende Aussagen treffen, auf Vorurteilen beruhen, stereotypisierte Denkmuster offenbaren, Stigmatisierungen vornehmen und Klischees über bestimmte Personen(-gruppen) wiedergeben und somit die Verbreitung von Diskriminierung & Rassismus weiter befeuern.

Dabei handelt es sich meistens zwar nicht direkt um Ehrverletzungen oder öffentliche „rassendiskriminierende“ Hetze im juristischen Sinn, was beides gemäss Schweizerischem Strafgesetzbuch (Art. 176 bzw. Art. 261bis StGB) verboten ist und entsprechend auch zur Anzeige gebracht werden kann. Vielmehr stecken in den Äusserungen hingegen häufig subtile Ausgrenzungen („Othering“), sowie Herabwürdigungen und die klare Differenzierung zwischen einem „Wir“ und „den Anderen“. Wenn auch teilweise unabsichtlich oder zumindest nicht böswillig, wird den Betroffenen mit solchen Äusserungen mal klar, mal eher unterschwellig kommuniziert: „Ihr seid anders als wir.“, „Ihr gehört nicht zu uns.“, „Ihr seid alle gleich (schlecht).“, „Wir sind (von Natur aus) alle besser als ihr.“, „Wir sind die Norm.“, „Ihr gehört eigentlich nicht hierher.“, „Wir bestimmen, was wir zu euch sagen dürfen, nicht ihr.“

Wieso sind die Sätze durchgestrichen?

Diskriminierende und rassistische Äusserungen können Betroffene stark treffen und deshalb sehr verletzend sein. Mit ihnen werden rücksichtslos Annahmen über die Betroffenen, ihre Persönlichkeit, ihren Charakter, ihre Fähigkeiten, ihre Identität oder ihre Zugehörigkeit getroffen, ohne dabei ihre Individualität zu berücksichtigen und zu respektieren. Deshalb gilt es diese Aussagen mit aller Kraft aus dem Wortschatz unserer Gesellschaft zu eliminieren. In unserer Sammlung führen wir die Sätze einzig zum Zwecke der Dokumentation und der Demonstration auf. Wir verzichten dabei bewusst auf die Wiederverwendung von Sätzen mit Schimpfwörtern oder dergleichen, weil diese oftmals an Primitivität kaum mehr zu unterbieten sind. Es geht uns primär darum, aufzuzeigen, dass viele vermeintlich als harmlos geltende Aussagen ebenso übergriffig, ausgrenzend und entwürdigend sein können und entsprechend diskriminierend und rassistisch sind. Für viele Betroffene gehören unangemessene oder gar unverschämte Äusserungen ihnen gegenüber und über sie leider nach wie vor zum Alltag in der Schweiz. Einige haben notgedrungen gelernt, gewisse diskriminierende und rassistische Sprüche einfach zu überhören oder zu ignorieren. Andere wehren sich immer wieder aufs Neue und kämpfen kontinuierlich dagegen an.

Das Projekt

Unser Projekt „Chas nüm ghöre!“  ist eine Sammlung von dem, was Betroffene von Diskriminierung und Rassismus in der Schweiz immer wieder im Alltag von ihren Mitmenschen zu hören bekommen. Es soll aufzeigen, dass solche Aussagen keinesfalls als Einzelfälle abgetan werden können, sondern dass sie unzählige Betroffene häufig schon ein Leben lang unfreiwillig in der Schule, in der Freizeit, im Berufsleben und im Alltag begleiten. Rassistische Diskriminierung ist somit strukturell bedingt. Zudem beabsichtigten wir damit eine gewisse Solidarisierung hervorzurufen und Betroffenen zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind. Weil das häufige Ausbleiben einer Reaktion auch bei unbedachten oder nicht böse gemeinten Aussagen vom Gegenüber oft als Zustimmung, Gutheissung oder zumindest als Legitimation zu diskriminierender und rassistischer Sprache wahrgenommen wird, rufen wir Betroffene und auch Nicht-Betroffene dazu auf, jeglicher Form von Diskriminierung und Rassismus tagtäglich die Stirn zu bieten.

 

Hast du auch einen diskriminierenden oder rassistischen Satz, mit dem du immer wieder konfrontiert wirst und ihn deshalb nicht mehr hören kannst?

Schicke uns diesen an hey@chasnuemghoere.ch oder via Instagram (@chasnuemghoere) und wir nehmen ihn in unsere Sammlung auf.